
Als rechtliche Betreuerinnen für Menschen mit Behinderungen der Betreuungsstelle Wittenberge war es für uns ein besonderes Anliegen, der Einladung des Demokratiebündnisses Wittenberge zum Reinigen der Stolpersteine am 27.01.2026 zu folgen. Beim Lesen der Einladung wurde uns bewusst, wie wichtig es ist, auch ein Zeichen für jene Menschen mit Behinderungen zu setzen, die unter der nationalsozialistischen Herrschaft im Rahmen der sogenannten „Euthanasie“ verfolgt und ermordet wurden. Ihr Leiden und ihr Tod dürfen nicht vergessen werden.
Die Stolpersteine in Wittenberge erinnern an jüdische Familien unserer Stadt, die entrechtet, verhaftet, deportiert und ermordet wurden. Während der Putzaktion wurden die Steine sorgfältig gereinigt, sodass die Namen und Lebensdaten wieder lesbar wurden. Zu jedem Stein wurden die bekannten Lebensdaten, Geburtsorte und familiären Zusammenhänge vorgetragen. Eine weiße Rose und eine Kerze der Erinnerung wurden niedergelegt – als Zeichen des Gedenkens, der Trauer und des Respekts.
Drei Stolpersteine befinden sich in unmittelbarer Nähe unserer Betreuungsstelle. Deshalb haben wir für uns entschieden, die Stolpersteine von Max, Käthe und Lucie Kreide künftig regelmäßig zu pflegen und das Andenken an die verfolgten Menschen wachzuhalten. Erinnerung ist für uns kein einmaliger Akt, sondern eine dauerhafte Verantwortung – gerade auch im Hinblick auf unsere Arbeit für behinderte Menschen, deren Würde und Rechte geschützt werden müssen.
Im Anschluss an die Putzaktion kamen wir in „Marthas Tisch“ mit Vertretern der Stadt Wittenberge, dem Landkreis Prignitz, der Kirche und anderen Bürgern ins Gespräch. Dabei entwickelte sich ein reger Austausch, und alle Beteiligten zeigten großes Interesse an einer zukünftigen Zusammenarbeit. So werden wir demnächst Vorträge zu vorsorgenden Verfügungen für interessierte Bürger der Stadt Wittenberge dort anbieten.
Der offene und wertschätzende Austausch hat gezeigt, wie wichtig gemeinsames Erinnern und gemeinsames Handeln sind.
Die Stolpersteine mahnen uns: Nie wieder darf ausgegrenzt, entwertet oder vergessen werden. Dieses Erinnern gehört zu unserem Selbstverständnis als Betreuungsverein Lebenshilfe Brandenburg e.V. – gestern, heute und morgen.
Heike Liebner-Damrow und Angela Hütter
Betreuungsstelle Wittenberge
