2024

Die Entscheidung für den Betreuungsverein Lebenshilfe Brandenburg e. V.

Seniorenmesse Schwedt 2019 webRon Wirth, Betreuungsstelle Cottbus

Vom Praktikanten zum rechtlichen Betreuer - Ein Job, der mehr ist.

Im dritten Semester des Bachelor-Studiengangs „Soziale Arbeit“ bekommt ein jeder Student durch ein Praktikum die Möglichkeit, die Arbeitsweisen sowie Ziele und Zielgruppen seines Wunschberufes näher kennenzulernen. So steht man Mitte des zweiten Semesters vor der Entscheidung, welches Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit man favorisiert und ob in diesem ein geeigneter Praktikumsplatz verfügbar ist. Es dient dazu, Erfahrungen zu sammeln und im besten Fall nach Ablauf der sechs Monate entscheiden zu können, ist dieser Beruf passend oder nicht.

Von keinem meiner damaligen Kommilitonen habe ich gehört, dass er ein Praktikum in einem Betreuungsverein absolvieren möchte, um den Beruf des rechtlichen Betreuers sowie seine Aufgaben und Tätigkeiten näher kennenzulernen. Die meisten meiner Kommiliton*innen wollten ihr Praktikum z.B. im Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe, Behindertenhilfe, Suchthilfe oder Wohnsitzlosenhilfe absolvieren. Es gibt jedoch nur einen Beruf, dessen Tätigkeit nahezu alle Handlungsfelder der Sozialen Arbeit in gewisser Weise tangiert oder sogar miteinander verbindet, nämlich den des rechtlichen Betreuers. 

So ist die rechtliche Betreuung ein Rechtsinstrument zur Unterstützung von erwachsenen Menschen ab Vollendung des 18. Lebensjahres, welche aufgrund einer körperlichen und/oder geistigen oder seelischen Erkrankung oder Behinderung, ihre rechtlichen Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln können. Sie orientiert sich dabei strikt am individuellen Hilfebedarf der betroffenen Person. Dieser wird durch ein medizinisches Gutachten oder ärztliches Attest sowie einem Sozialbericht der örtlich zuständigen Betreuungsbehörde festgestellt und berücksichtigt dabei auch die vorhandenen Fähigkeiten und wahrt damit die Selbstbestimmung der betroffenen Person.

Dem rechtlichen Betreuer wird auf dieser Grundlage der Aufgabenkreis zugeteilt, in dem er Rechtshandlungen für den Betreuten vornehmen darf. Diese sind jedoch immer auf das erforderliche Maß zu beschränken. Im Rahmen seiner Tätigkeit unterstützt er die betroffene Person im zugewiesenen Aufgabenkreis dabei, ihre rechtlichen Angelegenheiten, so weit wie möglich, selbst zu bewältigen. Mögliche Aufgabenbereiche innerhalb des Aufgabenkreises können z.B. die Vermögenssorge, Gesundheitssorge, Vertretung gegenüber Behörden und Sozialversicherungsträgern sowie Wohnungs- und Postangelegenheiten sein. Von der Vertretungsmacht wird nur dann Gebrauch gemacht, sofern dies nötig oder von der betreuten Person gewünscht ist. Entgegen dem hartnäckigen Glauben vieler Menschen nimmt eine Betreuungseinrichtung den Betroffenen nicht die Entscheidungsfähigkeit. Vielmehr wurden die Rechte von betreuten Menschen mit Inkrafttreten des neuen Betreuungsrecht zum 01.01.2023 deutlich gestärkt und in den Vordergrund gerückt. Bereits vor der Betreuerbestellung gibt es ein Kennenlerngespräch, in welchem geprüft wird, ob es eine Basis zur Zusammenarbeit geben kann. Das Handeln des rechtlichen Betreuers hat sich so zu gestalten, dass der Betreute nach seinen Wünschen leben kann. Hierzu gehört neben regelmäßigen Besuchen bzw. Kontakten zum Betreuten auch die gesetzlich verankerte Besprechungspflicht zwischen dem rechtlichen Betreuer und der betreuten Person.

Die Arbeit eines rechtlichen Betreuers in einem Betreuungsverein besteht jedoch nicht nur aus der Arbeit mit den betreuten Personen im Rahmen des ihm übertragenen Aufgabenkreises. So hat auch die Beratung von Bürger*innen, ehrenamtlichen rechtlichen Betreuer*innen und bevollmächtigten Personen im Rahmen der Querschnittsarbeit eine große Bedeutung. Die qualifizierte Begleitung von rechtlichen Betreuer*innen, die ihre Tätigkeit als Ehrenamt ausführen und bevollmächtigten Personen, ist eine öffentliche Aufgabe, die anerkannte Betreuungsvereine gemäß dem BtOG übernehmen. Ziel der Querschnittsarbeit ist es dabei, unterstützend durch Information und Beratung sowie Begleitung der bevollmächtigten Personen bzw. ehrenamtlich rechtlichen Betreuer*innen Fachwissen und Sicherheit für dieses verantwortungsvolle Ehrenamt zu vermitteln und eine Berufsbetreuung zu vermeiden. Hierfür hält der Betreuungsverein Lebenshilfe Brandenburg e.V. in folgenden Bereichen Angebote vor:

Begleitung und Fortbildung ehrenamtlicher Betreuer*innen

- durch Fallbesprechungen, Erfahrungsaustausch, Bereitstellung von Arbeitshilfen
  oder themenbezogene Fortbildungen

Gewinnung von ehrenamtlichen Betreuer*innen

- durch ortsspezifische Konzepte oder Einführungsveranstaltungen

Information und Beratung von Bürger*innen

- zu Betreuungs- und Vorsorgevollmachten sowie Patientenverfügungen in Kleingruppen-
  und Informationsveranstaltungen oder Einzelberatungen

Öffentlichkeitsarbeit

- in Form von Pressearbeit, Informationsständen (auf Messen oder Fachtagungen)
- Information von Fachpersonal (Kranken- und Altenpflege, Behindertenhilfe etc.)
- durch Infomaterial (Flyer oder Broschüren)

Netzwerkarbeit

- Gremienarbeit
- örtliche und überörtliche Arbeitskreise

Die rechtliche Betreuung von Menschen und die Querschnittsarbeit sorgen für einen enorm abwechslungsreichen Job mit einem hohem Anforderungsniveau. Genau dies habe ich mir von meinem Praktikum im Oktober 2021 erhofft. Dieser Eindruck hat mich bis zum Ende meines Studiums im Oktober 2023 begleitet, sodass ich seit November letzten Jahres in der Betreuungsstelle Cottbus als rechtlicher Betreuer für den Betreuungsverein Lebenshilfe Brandenburg e.V. tätig bin. Für mich die richtige Entscheidung.

Ron Wirth
Betreuungsstelle Cottbus